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Diese Posse wurde den redlichen Bewohnern eines Alten- und Pflegeheims zugemutet!

Liebe Freunde und Freundinnen der Redlichkeit!

Am zurückliegenden Sonntag sollte eine „ganz besondere Veranstaltung“ stattfinden, so hatte es das Pflegepersonal angekündigt. Es handelte sich dabei um die Aufführung eines Lichtspiels.

Das ist eigentlich nichts Neues und bedeutet, dass im Speisesaal der große Flachbildfernseher aufgebaut wird und dass die Schwestern eine Datenträgerscheibe (unlöblich: DVD) in das dazugehörige Abspielgerät einlegen. Bei uns im Alten- und Pflegeheim wohnen ganz normale Senioren, die meisten davon sind sogar redlich. Eine Ausnahme ist Herr Göllner, der ist geisteskrank. Jedenfalls freute sich die Mehrheit der Bewohner auf das bevorstehende Ereignis.

Ich war nicht in fröhlicher Stimmung, denn vom Fernsehschauen halte ich nicht viel. Lieber lese ich ein gutes Buch, allenfalls schaue ich mir gern mal ein heiteres, volkstümliches Theaterstück an. Weil jedoch an diesem Tage Kamillentee sowie ein redliches Stück Gebäck serviert werden sollten, beschloss ich, mich ebenfalls in den Speisesaal zu begeben.

Tee und der Kuchen standen schon auf den Tischen, der Film begann. Es handelte sich um ein Lustspiel mit dem Titel „Die Stooges – drei Vollpfosten drehen ab!“. Darüber musste ich mich doch sehr wundern, denn wer sich einen solchen Titel ausdachte, der musste dem Narrenhaus entstammen.

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Diese Nonne weiß, dass Kinder Strenge und Konsequenz benötigen, um zu verantwortungsvollen Menschen heranzuwachsen.

Der Filmanfang gefiel mir jedoch ganz gut, weil eine Nonne gezeigt wurde, die mit strengem Ton eine Kindergruppe zur Raison rief. Sie untersagte den Kindern das laute Singen und Tanzen und schickte sie ins Haus zurück.

Das Ganze spielte im Waisenhaus, und eigentlich ging es um drei freche Buben, die ständig schlimme Streiche ausheckten. In der nächsten Szene war zu sehen, wie die bösartigen Jungen eine Nonne an einen Tisch fesselten, weil sie ihr mit einer Zange die Zähne herausreißen wollten. Meine redlichen Mitbewohner und ich waren darüber natürlich sehr empört. Lediglich Herr Göllner lachte.

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Drei Knaben haben eine Nonne gefesselt und wollen sie mit einem Holzhammer bewusstlos schlagen!

Was sonst noch in diesem angeblichen Lustspiel gezeigt wurde, war so unsinnig, dass ich es hier gar nicht erzählen möchte. Erwähnt sei lediglich, dass zum Ende hin eine Nonne an einem Schwimmbecken saß, dabei mit nichts anderem als Unterwäsche bekleidet! Unmoralische, unredliche Menschen – wie beispielsweise Herr Göllner – können durch solche Bilder erregt und zu unsittlichen Handlungen angestiftet werden.

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Diese nackte Nonne wurde in dem Film gezeigt, der ja angeblich auch für Kinder geeignet ist.

Ich musste also etwas tun. Laut rief ich in den Saal: „Ausmachen! Ausmachen!“

Die meisten meiner Mitbewohner nickten zustimmend, aber Oberschwester Olga winkte ab und sagte, der Film sei doch sehr nett, man dürfe das alles nicht so ernst nehmen. Mir wurde klar, dass ich mit Vernunft nicht weiterkommen würde. Darum nahm ich meine Tasse, die noch randvoll mit Kamillentee war, und kippte sie über den Laminatboden aus.

Die Mehrheit meiner Mitbewohner folgte diesem Beispiel … eine Tasse nach der anderen wurde ausgeschüttet. Auf dem Boden bildete sich eine große Lache. „Jetzt reicht es aber!“, brüllte daraufhin die Oberschwester. „Ihr seid ja verrückter als die Leute im Film!“ Sie nahm die Fernbedienung und schaltete das Machwerk ab.

Ich war sehr zufrieden und aß noch schnell meinen Kuchen auf. Die Schwester schickte uns dann alle in den Garten (auch den murrenden Herrn Göllner), wo wir in den feuchten Beeten Unkraut jäten mussten.

Aber das war natürlich allemal besser, als sich unredliche Lichtspiele anzusehen.

Es grüßt Sie, liebe Leser und liebe Leserinnen, redlich:
Ihr Johannes Kaplan

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