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Nur mithilfe einer raffinierten Konstruktion vermochte ich es, die Flasche auf meinem Kopf auszubalancieren!

Von der Heimleitung erhalten wir Bewohner regelmäßig Taschengeld. Neulich stellte ich fest, dass ich von der letzten Auszahlung noch etwas übrig hatte:  5 EUR befanden sich in meiner Geldbörse!

Über diese große Summe war ich sehr erfreut und dachte mir, dass ich mir ja mal wieder eine Flasche Tomatentunke (fälschlicherweise oft als „Ketchup“ bezeichnet) kaufen könne. Gesagt – getan!

Als ich zum Flur hinausging, öffnete nebenan der bösartige Herr Göllner seine Tür und rief mir zu: „Wollen Sie wieder Unsinn anstellen? Meine Tochter kommt gleich mit ihren Kindern. Also benehmen Sie sich gefälligst anständig, Sie alter Narr!“

Ich antwortete ihm aber nicht, sondern ignorierte seine unverschämte Äußerung. Im Supermarkt angekommen, kaufte ich mir eine Flasche Tomatentunke zu 0,99 EUR. Nun eilte ich schnell  zurück ins Pflegeheim, um mich an meiner Anschaffung redlich zu erquicken.

Vor Freude war ich richtig aufgeregt! Auf der Rückseite der Flasche las ich:

„Flasche bitte auf den Kopf stellen!“

Ich stellte diese auf meinen Kopf, so wie es in der Anweisung stand. Ich hatte aber Probleme, die Flasche auf meinem Kopf zu behalten, weil sie immer wieder runterfiel. Da ich handwerklich begabt bin, bastelte ich mir eine kleine Halterung, damit die Flasche auf meinen Kopf stehenbleiben konnte. Diese Halterung funktionierte wunderbar!

So saß ich dann in meinem Zimmer, mit der Flasche auf dem Kopf. Es klopfte an der Türe. Ich öffnete diese und es standen die beiden Enkelkinder des Herrn Göllner vor mir. Hatte der dreiste Kerl also tatsächlich Besuch von seiner Mischpoke bekommen!

Unverständlicherweise fingen die Kinder zu lachen an und fragten frech: „Opa, was hast du denn da auf dem Kopf?“

Ich erwiderte, es sei eine Flasche mit Tomatentunke und diese müsse man auf dem Kopf stellen, da dies die Gebrauchsanweisung redlich vorschreiben würde.

„Oh, bist du blöde!“, riefen sie mir zu und rannten lachend weg. Na ja, von der Brut des Herrn Göllner kann man kein gutes Benehmen erwarten.

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Stellen Sie sich vor, die Tomatentunke wäre ausgelaufen und hätte mein Haupthaar beschmutzt!

Dass die Flasche auf meinem Kopf war, fand ich unpraktisch, und ich rief per Haustelefon Oberschwester Olga an, um sie redlich um Rat zu fragen, ob ich die Flasche nicht mal wenigstens für kurze Zeit vom Kopf nehmen könne.

Sie meinte zu mir: „Ach Johannes, du machst uns immer wieder neue Sorgen. Wenn auf der Packung steht, dass man die Flasche auf den Kopf stellen soll, dann ist damit gemeint, dass du die Flasche verkehrtherum, also mit der Öffnung nach unten auf den Tisch bzw. in den Schrank stellen sollst!“

Über diese Erkenntnis war ich sehr erstaunt … aber auch erleichtert, dass ich nun die Flasche von meinem Kopf nehmen konnte.

Merken Sie sich also, liebe Leserin, lieber Leser: Wenn auf einer Packung steht: „Bitte auf den Kopf stellen!“, dann ist damit NICHT gemeint, dass Sie diese auf IHREN Kopf stellen, sondern die Flasche, Tube usw. mit der Öffnung nach UNTEN auf eine Ablage stellen.

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Die Flasche hätte genauso gut zu Boden fallen und dort ein Malheur anrichten können!

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