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Hertha von Hartenfels

Niemand ahnte, welch schreckliches Geheimnis Hertha von Hartenfels so gut zu verbergen wusste!

Liebe Leser, liebe Leserinnen!

Sicherlich haben Sie von den ungeheuerlichen Dingen gehört, die in unserer heutigen Zeit vorgehen. Unmoral, antisoziales Verhalten und Fernsehsucht waren vor 100 Jahren unbedeutende Randerscheinungen, heute hingegen sind sie der Regelfall.

Die Ursachen sind hinlänglich bekannt: hirnzerstörende „Handy“-Strahlen, unredliche Internetzseiten und brutal-blutige Heimrechnerspiele! Auf diesen drei Säulen basiert die Verlotterung und Verschlotterung unserer Gesellschaft.

Sicherlich haben Sie ebenfalls davon gehört, dass es sogar Männer geben soll, die sich für Frauen halten. Diese Männer ziehen Frauenkleidung an (z. B. bunte Mützen!) und trinken Frauenparfüm. Wenn Sie dann betrunken genug sind gehen sie auf die Straße, um dort zu randalieren. Im Normalfall kann man solche „Frauen“ leicht entlarven, denn sie sprechen ja weiterhin mit dunkler Stimme oder tragen immer noch einen Bart.

Im Internetz gestaltet sich die Demaskierung hingegen schwierig. Ich möchte Ihnen von einem solchen Fall berichten:

In meinem berühmten und beliebten (und inzwischen leider geschlossenen) Johannes Kaplan-Forum waren sehr viele Menschen als Stammschreiber erfasst. Wenn sich jemand gut benahm, bekam er von mir eine schöne bunte Farbe zugeteilt, mit welcher er seinen Namen bzw. seinen Spitznamen zieren konnte. Wenn sich jemand nicht so gut benahm, erhielt er lediglich die Farbe Blau.

Eines Tages meldete sich eine Dame namens Hertha von Hartenfels bei mir, was mich verwunderte. Denn immerhin befand sich schon damals der berüchtigte Bericht über den unredlichen Unhold Fürchtegott Hartenfels auf meiner Heimseite. Ich glaubte, dass die Namensgleichheit entweder Zufall sei, oder dass die Dame einen Spitznamen gewählt habe … als Ehrerbietung an den von mir verfassten, äußert gelungenen Hartenfels-Artikel.

Wie dem auch sei: Frau Hertha von Hartenfels schrieb Beiträge, die sich sehen lassen konnten. Witzig, originell, geistreich. Kein Wunder also, dass ich ihr ob solcher Redlichkeit eine bunte Stammschreiberfarbe verlieh.

Zu jener Zeit existierte aber auch ein Forum von einem Internetznutzer namens „Karl der Kritikus“. „Station 13“ nannte sich das Redebrett, mit dem es ein schlimmes Ende nehmen sollte.

Jedenfalls war auch Hertha von Hartenfels dort Schreiberin. Was die Dame jedoch nicht wusste: Ich las heimlich und fleißig mit! Eines Tages vermochte ich meinen Augen kaum zu trauen. „Hertha von Hartenfels“ hatte sich hoffnungslos mit „Karl dem Kritikus“ verstritten und gab im Lauf der Auseinandersetzung zu, in Wirklichkeit gar keine vornehme Dame zu sein, sondern ein unredlicher Jüngling!

Vor Wut über diese unmoralische Offenbarung sprang ich damals von meinem Heimrechner-Sessel auf, lief zum Fenster, öffnete es und brüllte in meiner hilflosen Wut Wörter ins Freie, an die ich mich zum Glück nicht mehr erinnern kann. Mein Vormund benötigte insgesamt 1, 5 Stunden, um der Unordnung in meiner Wohnung (damals lebte ich noch nicht im Pflegeheim) Herr zu werden. Ich hatte offenbar einen meiner Anfälle erlitten. Aber wer kann mir dies angesichts eines solchen Vorfalls verdenken?

Natürlich entzog ich diesem Rosstäuscher„Hertha von Hartenfels“ die bunte Farbe, nachdem ich wieder zu Sinnen gekommen war. Der Internetz-Transvestit nannte sich danach „Hartwig von Hartenfels“ und eröffnete ein eigenes Forum, welches den unredlichen Namen „Kakadu-Bar“ trug. Das Redebrett wurde recht schnell wieder geschlossen, vermutlich von der Sittenpolizei.

Das also war eines der schlimmsten Erlebnisse während meiner Zeit als Forenbetreiber. Auch heute noch tritt mir der kalte Schweiß auf die Stirn, wenn ich daran denke, dass dieser Hertha/Hartwig von Hartenfels – womöglich lediglich mit rosafarbener Unterwäsche bekleidet! – sich im Internetz als ehrwürdige, alte Dame ausgegeben hat. Ich vermute, dass er auch im Besitz eines „Handys“ war.

Mit redlichen Grüßen!
Ihr Johannes Kaplan

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Sonntagsgarderobe

„Herr“ Hartenfels meint allen Ernstes, dies sei die passende Garderobe für einen Sonntagnachmittag!

Herr Münzing hat mir diesen Fall per elektronischer Post zugeschickt:

Ich hatte heute ein Erlebnis, welches mich sehr echauffierte. Ich bin so frei, Herr Johannes Kaplan, und berichte Ihnen davon. Vielleicht machen Sie sich die liebevolle Mühe, mir Ihre hochgeschätzte Meinung mitzuteilen.

Da ich ein redlicher Mensch bin, stattete ich meinem guten Freund Fürchtegott Hartenfels vor kurzem einen sonntagnachmittäglichen Besuch ab. Vorher kaufte ich eine rote Rose, um sie seiner lieben Frau als kleine Aufmerksamkeit zu überreichen. Ich klingelte an seiner Türe und besagte Gattin gewährte mir freundlicherweise Einlass. Ich überreichte der netten Dame das floristische Präsent, an welchem sie Wohlgefallen hatte. Wir plauschten ein bisschen, danach führte sie mich in das Heimrechner-Zimmer ihres Mannes, meinem zu jener Zeit noch guten Freund Fürchtegott Hartenfels.

Sogleich bot sich mir ein fürchterliches Bild! Ich war entsetzt! Ja … ich war schockiert, das können Sie mir glauben!

Was ich da sah, das konnte ich nicht fassen: Fürchtegott Hartenfels saß mit einem Dauerlauf-Anzug bekleidet vor seinem Heimrechner, wobei hinten gar ein Zipfel seines Unterhemdes herausschaute!

Ich regte mich darüber sehr auf. Ich brüllte ihm ins Gesicht, dass heute Sonntag sei und man an diesem Tag redlich bekleidet sein sollte. Darunter verstehe ich: Anzug, weißes Hemd, Krawatte; Blümchen im Knopfloch. Er und seine Frau jedoch lachten mich aus, ich erntete nur Spott. Deprimiert zog ich von dannen. Doch ich wusste, ich würde zurückkehren!

Wenn Sie glauben, dass sei alles, was Herr Münzing durchgemacht hat, dann irren Sie sich. Wenige Tage später erhielt ich einen weiteren Brief:

Herr Kaplan! Heute Nachmittag stattete ich gemeinsam mit dem rechtschaffenen Herrn Pastor meinem Nicht-mehr-Freund Hartenfels einen „Überraschungsbesuch“ ab. Es handelte sich sozusagen um eine Art Endkontrolle. Wir klingelten an der Haustüre des Deliquenten … und sofort nach dem Öffnen bot sich uns ein Bild des Grauens! Hartenfels war zum wiederholten Male – an einem Sonntag wohlgemerkt! – unredlich bekleidet. Er stand vor uns: mit einer Art Unterhose sowie einem geriffeltem Unterhemd, auf welchem sich zu allem Überdruss zahlreiche Senfflecken befanden. In der rechten Hand hielt mein ehemaliger Freund eine geöffnete Dose Bier, in der linken eine übelriechende Bratwurst. Und dies an einem solch heiligem Tage!

„Das ist skandalös“, intonierte der rechtschaffene Herr Pastor. Er japste nach Luft, aber weitere Vorwürfe fielen ihm nicht ein. Wir schauten Hartenfels eine Weile stumm an, unser Schock saß einfach zu tief.

Hartenfels verschnabulierte in aller Ruhe (und mit lauten Schmatzgeräuschen) seine Wurst, anschließend fragte er uns, was das alles solle. Der rechtschaffene Herr Pastor forderte ihn daraufhin auf, dass er sich unverzüglich einen Anzug samt Krawatte anziehen solle, denn seine derzeitige Aufmachung sei blasphemisch und sakrilegisch! Wir ernteten nur Aggressionen und mussten uns anhören, dass wir „Spinner“ seien, die ein „Rad ab“ hätten. Vielleicht war Hartenfels bereits sufftrunken, dass er derart auf uns schimpfte, denn er konsumierte ja alkoholhaltiges Bier.

„Ziehen Sie unverzüglich einen redlichen Anzug an!“, postulierte der rechtschaffene Herr Pastor erneut. Er bekam von Hartenfels das Wort „Vollidiot“ an den Kopf geknallt, anschließend schlug der unredliche Trunkenbold uns krachend die Tür vor der Nase zu.

In meiner argen Not rief ich per moderner Fernmeldetechnik die Polizei. Der diensthabende Beamte wollte wissen, was denn passiert sei, aber ich war so konfus, dass ich am Telefon nichts Genaues zu erläutern vermochte. Ich stammelte nur, hier vor Ort sei etwas Entsetzliches geschehen.

Zehn Minuten später traf ein Streifenwagen ein – mit Blaulicht und Tatütata. Der rechtschaffene Herr Pastor und ich waren immer noch aufgeregt, konnten aber den beiden Beamten in halbwegs zusammenhängenden Worten das Geschehene schildern. Die uniformierten Schutzmänner schmunzelten sich an! Ich fragte mich, was an diesem Vorfall denn nun so lustig sei. Warum das Grinsen? Es ist doch alles andere als lustig, an einem Sonntag ordinär bekleidet zu sein! Die Schutzmänner fragten uns, ob wir was getrunken hätten, was wir redlich verneinten.

„Nun gut, da habt ihr Jecken euch einen schönen Ulk mit uns erlaubt. Wir drücken ausnahmsweise ein Auge zu – ist ja Karneval. Aber beim nächsten Mal wird’s teuer.“ Als die Staatsdiener weggingen hörten wir noch, wie sie sich über das Gewand des rechtschaffenen Herrn Pastors lustig machten – welch eine alberne Karnevalsverkleidung das sei.

Ich stelle also fest, dass es unserer Regierung völlig egal ist, wie die Leute am heiligen Sonntag gekleidet sind. Und jetzt befürchte ich gar, dass der gesamte Staat vor dem Verfall steht. Ein Sodom und Gomorrha ist unausweichlich!

Der Pfaffe und ich waren so entsetzt von alledem, dass wir den Ort der Sünde umgehend verließen. Wir spürten Ohnmacht, Trauer und Zorn. Aber wir geben nicht auf! Wir werden die notwendigen Schritte in die Wege leiten, damit Hartenfels sein Unrecht einsieht. Und wenn nicht, bringen wir ihn ins Gefängnis, diesen widerlichen Verbrecher!

Ich schrieb Herrn Münzing umgehend zurück, dass ich seine Ansichten vollumfänglich teile. Doch mein Mitgefühl hatte sich erübrigt, da Herr Hartenfels zwischenzeitlich an einem Herzinfarkt verstorben war. Das hat er nun davon! Sicherlich kennen auch Sie unredliche Personen, die sich so aufführen wie dieser „Herr“ Hartenfels. Sagen Sie diesen Leuten, dass man erwarten könne, dass jeder Mensch am Sonntag zünftig bekleidet ist – denn dies ist ein Schritt auf dem Wege, ein löblicher Mensch zu werden!

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