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Ein Spatz und ein „Döner Kebab“

Liebe Leserinnen und Leser,

vorgestern bekam ich in Anschluss an den Nachmittagstee von Oberschwester Olga die Erlaubnis, das Pflege- und Altenheim ohne Begleitung zu verlassen. Ich spazierte also frohgemut auf die kleine aber feine Fußgängerzone zu, die nun wirklich nicht weit von meiner Heimstatt entfernt ist.

Nichts Böses ahnend hörte ich plötzlich ein klatschendes Geräusch. Genau vor meinen Füßen war ein Spatz zu Boden gefallen! Einfach so vom Baum herunter! Als Spatz wird weitläufig der Haussperling bezeichnet, ein possierliches kleines Vögelchen, das meist mehr schimpft als das es singt, was es aber kein bisschen weniger liebenswert macht.

Hoffentlich hat sich der kleine Kerl nicht verletzt!, dachte ich noch, als ich das possierliche Tierchen aufhob. Aber dann wurde eine schreckliche Ahnung zur Gewissheit: Der Spatz war tot!

Eine tiefe Traurigkeit überkam mich, und ich hatte den sehnlichen Wunsch, den Spatz eine schöne Beerdigung zukommen zu lassen. Deshalb wickelte ich das tote Tierchen in mein Stofftaschentuch und nahm es mit mir.

Vor Trauer wankend ging ich weiter, bis ich die Fußgängerzone erreichte. Ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich dort ein Polizeiauto sah! Es parkte vor einem Schnellimbiss, einem sogenannten „Döner“-Laden. Die beiden Beamten machten offenbar gerade Pause und aßen einen „Döner“. Das konnte ich natürlich nicht gutheißen, aber darauf kam es ja jetzt nicht an. Ich war immerhin für eine Beerdigung verantwortlich.

Als ich näherkam, sah ich, dass jeder der Polizisten einen dunklen, breiten Schnurrbart trug. Ich wusste gar nicht, dass ein so verwegenes Aussehen für die Angehörigen der Ordnungsmacht erlaubt ist. Die beiden unterhielten sich außerdem auf Türkisch, vielleicht auch in einer anderen arabischen Sprache. Das war mir natürlich gleichgültig, denn ich unterscheide Menschen nicht nach ihrer Nationalität, sondern danach, ob sie redlich oder unredlich sind.

Also begrüßte ich die Herren freundlich und streckte ihnen den toten Spatz entgegen: „Bitte beerdigen Sie dieses Geschöpf, es muss nichts Besonderes sein – einige hübsche Blumen und ein frommes Gebet reichen!“

Beide Polizisten begannen zu lachen. Offensichtlich waren sie neu in Deutschland und hatten nicht verstanden. Ich sagte also in einfacher Sprache: „Vogel kaputt, muss unter Erde! Schönes Lied singen und beten, bitteschön!“

Einer sah mich nun böse an und sagte etwas, was wie „Eschol Escheck“ klang. Der andere zuppelte immerzu mit seinem unangenehm riechenden „Döner“ in meine Richtung, so als ob er die unredliche Speise gegen meine Jacke würde werfen wollen.

Beide Polizisten gingen schließlich davon, ohne mich weiter zu beachten. Da stand ich nun mit dem toten Spatzen in der Hand, der immer noch keine angemessene Bestattung erhalten hatte.

Als ich mich umdrehte, sah ich das Polizeiauto, dass die beiden ausländischen Polizisten unbeaufsichtigt zurückgelassen hatten. Eines der Seitenfenster war halb heruntergekurbelt. Hurra!, dachte ich, und warf den toten Vogel samt des Taschentuchs in das innere des Fahrzeugs. Nun werden sich die beiden unredlichen Polizisten zwangsläufig um die Beerdigung des Tieres kümmern müssen.

Darüber war ich natürlich sehr froh und spazierte nahezu beschwingt nach Hause.

Wie Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser, ist die Redlichkeit nicht nur die einzig richtige Lebensweise, sondern es gibt auch viele „Zufälle“, die jedem redlichen Menschen letztlich zum Erfolg verhelfen.

Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Johannes Kaplan

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